Lateinamerika

Panama 2014

Auf dem Flughafen drückt mir der Geldautomat ein Bündel Dollarnoten in die Hand. Ich bin irritiert, Dollar hatte ich doch ohnehin dabei, um meinen Sprachkurs zu zahlen? Der Taxifahrer nimmt am Parkautomaten sein Wechselgeld in Münzen, Balboa, entgegen. Aha, in Panama zahlt man also in US-Dollar. Aus dem Taxifenster sehe ich in der Ferne die Skyline von Panama City. Wolkenkratzer, helle Autos, Werbetafeln. Durch das, was ich links und rechts der Straße sehe, lebt Lateinamerika in meinen Erinnerungen wieder auf. Ich hatte schon wieder vergessen, wie es aussieht, wie es tickt, was es treibt. Die trostlosen Viertel lassen wir links liegen, der Taxifahrer setzt mich vor einem Hostel ab, das eigentlich ein Wohnhaus in einem vornehmen Viertel ist. Der Zwischenstopp reicht für einen Mojito mit Marije, der Rezepzionistin, in der schönen Altstadt von Panama City. Der Kanal hat es nicht auf meine Besuchsliste geschafft. Auch für einen Abstecher bei den Kuna auf den San Blas Inseln bleibt keine Zeit.
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Brasilien 2010

Ich bin bei Lisa in Salvador da Bahia. Morgens gehe ich zum Sprachkurs und nachmittags starre ich aus dem Fenster. Nein, zum Glück nicht! Aber man könnte auf die Idee kommen. Seit einer Woche giesst es wie aus Kübeln. Ich creme mich fleißig mit After Sun-Lotion ein, die einzige Feuchtigkeitscreme, die ich dabei habe. Einen Schirm kaufe ich nicht, sture Touristin eben. Genua und New York waren verregnet, aber das? Die Regengüsse legen das öffentliche Leben lahm, das Wetter ist nicht normal, finden die Einheimischen.
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Kuba 2009

Mein Tagesablauf ist sehr geregelt. Hastiges, aber super leckeres Frühstück in meiner casa, dabei ein netter Plausch mit Yaqueline oder Chicha. Danach Wasser besorgen und einen carro anhalten, der mich nach Marianao bringt. In einem der Sammeltaxis, deren Route nicht vorbestimmt ist, dauert die Fahrt eine 3/4 Std. Oder mehr. In was für Oldtimern ich da hinfahre? Keine Ahnung, ich mache mir ja nichts aus Autos. Aber auch ganz nüchtern betrachtet, haben die alle sooooolche Kotflügel. Ich glaube, es sind Chevrolets. Manch einer würde wahrscheinlich feuchte Augen kriegen. Die Fahrer auch, zumindest, wenn ich ohne nachzudenken die Tür des Privattaxis mit Schwung zuwerfe. Während ich in Deutschland die Autofahrer, die mich fürs Türen knallen zurechtweisen für Spießer halte, werden die Fahrer hier schon ihren Grund zur Sorge haben. Es ist wirklich alles alt und klapprig. Meistens komme ich zu spät oder verlaufe mich. Aber ich bin jedes Mal mitten im Leben, und das gefällt mir.
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Mexiko 2008

Mexiko und ich, das war eigentlich gleich ein flechazo, Liebe auf den ersten Blick. Meine Unterkunft ist noch schöner als ich sie mir ausgemalt habe. Ein traumhaftes Design in ocker und rot, flippig geschmackvolle Bettwäsche, in der ich in Kopenhagen bereits wunderbar geschlafen habe. Muss wohl Ikea sein. Damals in einem Hochhauszimmer, die Matratze auf dem Boden, hier in einem King Size Bett. Eine Mücke im Stechfieber, teilt mit mir das Bett.
Wenn ich aus dem Rundbogen-Fenster meines Zimmers schaue, blicke ich auf einen wunderschön bepflanzten patio. Das Red Tree House liegt in Condesa, einer grünen und trendigen Ecke von D.C.. Hier gibt es unzählige Bars, Restaurants und nur wenig Verkehr. Es ist eine absolut lebenswerte Ecke der Stadt. Nach drei Schritten scheint mir die Frage überflüssig, ob ich als Frau abends allein auf die Strasse gehen kann. México D.C. ist weder gefährlich, noch ist meine Zunge abends grau.
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Peru, Chile, Bolivien 2007

Nach Santiago fliege ich mit eher niedrigen Erwartungen, weil alle sagen, die Stadt sei hässlich. Ich sage: ¡Santiago qué ciudad más bonita! Durch meine mangelnde Vorbereitung kommt es, dass ich zerstreut durch die Strassen laufe und plötzlich ein Bergpanorama an einer Hauswand sehe, eine Werbung eben. Es dauert einen Moment bis mir klar wird, dass das kein Plakat ist, sondern echt. Ich bin ergriffen, mitten aus der Häuserzeile luken die mit Schnee bedeckten Anden hervor. Strahlend, kitschig unwirklich. Im Deutschunterricht habe ich eine sehr engagierte Erörterung zum Thema: „Urlaub am Meer - Urlaub in den Bergen“ geschrieben. Mein Deutschlehrer hat sie vorgelesen. Hier und heute gewinnen die Berge die Pro & Contra Schlacht.
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Argentinien 2007

Verkehr, Müll, Armut, das waren meine ersten Eindrücke von Buenos Aires. Sie beschreiben aber nicht ausreichend das, was ich hier erlebe. Jeden Morgen - oder Mittag - ziehe ich los, um die Stadt zu erkunden. Ja, ich habe eher das Gefühl, hier zu wohnen als Urlaub zu machen. Mein ruhiges Quartier hat einen festen Stamm an Mitbewohnern: Stephanie aus Strassburg, Oliver aus Sydney, Karolina aus Stockholm, Axel aus Berlin und Marco aus Ecuador. Oft sitzen wir in der Küche zusammen, kochen gemeinsam und reden gebrochen spanisch miteinander über Themen, die uns und die Welt bewegen. Allein die Tatsache, dass ich mich bei meinen angelitos pudelwohl fühle, macht meine Aufenthalt hier schon unvergesslich. Ich könnte uns eine große Wohnung in der List mieten, wie wär‘s, chicas y chicos?
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© Maike Wehlitz